Das EUR/GBP-Cross notiert im positiven Bereich nahe 0,8500 während der frühen europäischen Sitzung am Mittwoch. Der Euro (EUR) bleibt stark nach den deutschen Wirtschaftsdaten. Händler werden ihre Aufmerksamkeit auf die vorläufige Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das erste Quartal (Q1) aus Deutschland später am Mittwoch richten. Auch die vorläufige BIP-Wachstumsrate für die Eurozone wird am selben Tag veröffentlicht.
Die am Mittwoch von Destatis veröffentlichten Daten zeigten, dass die Einzelhandelsumsätze in Deutschland im März um 0,2% gegenüber dem Vormonat zurückgingen, verglichen mit einem Wachstum von 0,8% im Februar. Diese Zahl fiel besser aus als die Schätzung von -0,4%. Im Jahresvergleich stiegen die Einzelhandelsumsätze im März um 2,2% gegenüber 4,3% zuvor (revidiert von 4,9%). Die Gemeinschaftswährung zieht in unmittelbarer Reaktion auf die stärker als erwarteten deutschen Einzelhandelsumsatzdaten einige Käufer an.
Darüber hinaus erhöhen Händler ihre Wetten, dass die Bank of England (BoE) die Zinssätze senken wird, wenn sie ihre nächste Entscheidung am 8. Mai bekannt gibt, was das GBP nach unten ziehen könnte. Die Finanzmärkte haben laut einer Reuters-Umfrage eine Wahrscheinlichkeit von fast 96% eingepreist, dass die BoE ihren Zinssatz um einen viertel Punkt auf 4,25% senken wird, wenn sie ihre nächste Entscheidung am 8. Mai bekannt gibt.
Händler werden die vorläufigen BIP-Zahlen der Eurozone im Auge behalten, die den EUR beeinflussen könnten. Die Wirtschaft der Eurozone wird voraussichtlich im ersten Quartal (Q1) um 0,2% gegenüber dem Vorquartal wachsen. Wenn die Berichte ein besser als erwartetes Ergebnis zeigen, könnte dies den EUR kurzfristig stärken.
Der Euro ist die Währung der 19 Länder der Europäischen Union, die zur Eurozone gehören. Nach dem US-Dollar ist er die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 machte er 31 % aller Devisentransaktionen aus, mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von über 2,2 Billionen US-Dollar pro Tag. Der EUR/USD ist das am meisten gehandelte Währungspaar der Welt und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus. Es folgen der EUR/JPY mit 4 %, der EUR/GBP mit 3 % und der EUR/AUD mit 2 %.
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt, Deutschland, ist die Zentralbank der Eurozone. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik. Das Hauptziel der EZB ist die Preisstabilität, was entweder die Kontrolle der Inflation oder die Förderung des Wachstums bedeutet. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinssätze oder die Erwartung höherer Zinssätze stärken in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft geldpolitische Entscheidungen in acht Sitzungen pro Jahr. Diese werden von den Leitern der nationalen Zentralbanken der Eurozone und sechs ständigen Mitgliedern, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde, getroffen.
Die Inflation in der Eurozone, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ist ein entscheidender Faktor für den Euro. Übertrifft die Inflation die Erwartungen und das Ziel von 2 % der Europäischen Zentralbank (EZB), wird die EZB wahrscheinlich die Zinsen anheben müssen, um die Preisstabilität zu sichern. Höhere Zinsen im Vergleich zu anderen Währungsräumen machen den Euro attraktiver für globale Investoren und stärken somit die Währung.
Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten beeinflussen die Gesundheit der Wirtschaft und somit den Euro. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), Einkaufsmanagerindizes (PMI), Beschäftigungszahlen und Konsumentenstimmung geben Hinweise auf die Entwicklung der gemeinsamen Währung. Eine starke Wirtschaft stützt den Euro, da sie ausländische Investitionen anzieht und möglicherweise die Europäische Zentralbank (EZB) zu Zinserhöhungen bewegt. Schwache Daten hingegen lassen den Euro oft fallen. Besonders relevant sind hierbei die Daten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien –, die rund 75 % der Eurozonen-Wirtschaft ausmachen.
Ein entscheidender Faktor für den Euro ist die Handelsbilanz, die den Unterschied zwischen den Einnahmen aus Exporten und den Ausgaben für Importe eines Landes über einen bestimmten Zeitraum misst. Wenn ein Land gefragte Exportgüter herstellt, erhöht sich die Nachfrage nach seiner Währung, da ausländische Käufer diese Waren erwerben wollen. Eine positive Handelsbilanz stärkt somit den Euro, während ein Handelsdefizit die Währung unter Druck setzen kann.