AUD/USD baut seine Gewinne am dritten Handelstag in Folge aus und notiert während der asiatischen Handelsstunden am Donnerstag bei rund 0,7180. Das Paar setzt seinen Handel mit bullischer Tendenz fort, da der australische Dollar (AUD) seine Stärke beibehält und sich trotz eines Rückgangs der inländischen privaten Kapitalausgaben um 3,6% im zweiten Quartal als widerstandsfähig erweist, nachdem die Erwartungen eines unveränderten Werts nach einem vorherigen Anstieg um 6,5% deutlich verfehlt wurden.
Diese zugrunde liegende Stärke des AUD wird vor allem durch erhöhte Erwartungen an eine bevorstehende Zinserhöhung der Reserve Bank of Australia (RBA) angetrieben, ausgelöst durch einen heißer als erwartet ausgefallenen Inflationsbericht für Juli, der anhaltenden Preisdruck signalisierte. Diese erhöhten Inflationszahlen haben große Finanzinstitute dazu gezwungen, ihre Prognosen für den RBA-Zinspfad nach oben anzupassen.
Die National Australia Bank (NAB) erwartet nun bei der Sitzung im September eine Anhebung auf 4,6%, während die Commonwealth Bank und ANZ einen Schritt im November prognostizieren, zugleich aber das deutliche Risiko eines früheren Handelns einräumen. Obwohl die RBA ihren Leitzins im August nach drei vorherigen Erhöhungen unverändert bei 4,35% beließ, warnten die Entscheidungsträger ausdrücklich, dass weitere geldpolitische Straffungen weiterhin möglich sind, falls sich die Inflationsrisiken verschärfen.
Geoff Yu von BNY Mellon weist darauf hin, dass der Westpac–Melbourne Institute Leading Index Australiens im Juli eine leichte Verbesserung zeigte, wobei die annualisierte Sechsmonatswachstumsrate von "-0,4% im Juni auf -0,2% stieg." Er merkt an, dass der Index "seit sieben Monaten in Folge unter dem Trend liegt," betont jedoch, dass das Signal nun "nur noch leicht negativ" sei, was auf eine Wirtschaft hindeute, die "schwach, aber nicht eindeutig schwach" sei. Diese differenzierte Interpretation der Daten untermauert die Ansicht, dass sich die zugrunde liegende Dynamik abgekühlt hat, ohne in eine klare Schwäche abzurutschen.
Das Aufwärtspotenzial des Paares könnte jedoch durch die stabile Entwicklung des US-Dollars (USD) begrenzt werden. Besser als erwartet ausgefallene US-Wirtschaftsdaten haben die Markterwartungen gestützt, dass die Federal Reserve (Fed) vor Jahresende eine weitere Zinserhöhung vornehmen wird. Der PCE-Preisindex für Juli beschleunigte sich auf 0,2% gegenüber dem Vormonat und übertraf damit die Prognose von 0,1%, während die Jahresrate auf 3,7% stieg. Anleger richten ihren Fokus nun auf die Führung der Fed, um auf dem bevorstehenden Jackson-Hole-Symposium klarere geldpolitische Signale zu erhalten.
Der australische Dollar wird maßgeblich von den Zinssätzen der Reserve Bank of Australia sowie den Preisen von Rohstoffen wie Eisenerz beeinflusst, die für die australische Wirtschaft von großer Bedeutung sind. Auch die Entwicklungen in China, dem größten Handelspartner Australiens, spielen eine wichtige Rolle.
Die Reserve Bank of Australia (RBA) beeinflusst den Australischen Dollar (AUD), indem sie den Zinssatz festlegt, zu dem Banken sich gegenseitig Geld leihen. Das Ziel der RBA ist es, die Inflation durch Zinssatzanpassungen im Bereich von 2-3 % zu halten. Hohe Zinssätze im Vergleich zu anderen wichtigen Zentralbanken stützen den AUD, während niedrige Zinssätze ihn schwächen können. Quantitative Lockerungsmaßnahmen wirken in der Regel negativ auf den AUD, während quantitative Straffungsmaßnahmen ihn stärken.
China ist Australiens wichtigster Handelspartner, daher hat die wirtschaftliche Entwicklung in China einen direkten Einfluss auf den Wert des Australischen Dollars (AUD). Läuft die chinesische Wirtschaft gut, steigt die Nachfrage nach australischen Rohstoffen, Gütern und Dienstleistungen, was den AUD stärkt. Schwächelt die chinesische Konjunktur, sinkt die Nachfrage, und der Wert des AUD fällt. Überraschungen bei den Wachstumsdaten aus China – sowohl positive als auch negative – haben deshalb häufig unmittelbare Auswirkungen auf den Wechselkurs des Australischen Dollars und seiner Währungspaare.
Eisenerz ist der wichtigste Export Australiens und erzielte 2021 laut offiziellen Angaben Einnahmen von 118 Milliarden US-Dollar. China ist dabei der größte Abnehmer. Die Preisentwicklung von Eisenerz wirkt sich daher direkt auf den australischen Dollar (AUD) aus: Steigt der Preis, erhöht sich meist auch der Wert des AUD, da die Nachfrage nach der Währung zunimmt. Fällt der Preis, wirkt sich das negativ auf den AUD aus. Höhere Eisenerzpreise begünstigen zudem ein positives Handelsbilanzsaldo Australiens, was sich ebenfalls stützend auf die Landeswährung auswirkt.
Die Handelsbilanz, also die Differenz zwischen den Einnahmen eines Landes aus Exporten und den Ausgaben für Importe, ist ein weiterer wesentlicher Faktor, der den Wert des australischen Dollars beeinflussen kann. Wenn Australien stark nachgefragte Exportgüter produziert, steigt der Wert der Landeswährung aufgrund der höheren Nachfrage aus dem Ausland. Eine positive Handelsbilanz stärkt den australischen Dollar, während ein Handelsbilanzdefizit gegenteilige Auswirkungen hat.