Analysten von Nomura erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagensatz auf ihrer Sitzung am 30. April bei 2,00 Prozent belässt und dieses Niveau bis ins vierte Quartal 2027 beibehält. Die Geldpolitik bleibe datenabhängig, wobei insbesondere die Entwicklung der Brent-Ölpreise, die Inflationserwartungen und die Lohndynamik nach dem Schock durch den Iran-Krieg im Fokus stünden.
"Wir erwarten, dass die EZB den Einlagensatz auf ihrer Sitzung am 30. April unverändert bei 2,00 Prozent belässt, und gehen davon aus, dass diese Entscheidung einstimmig getroffen wird."
"Wir gehen davon aus, dass die EZB eine vorschnelle Reaktion auf den Iran-Krieg vermeiden will und stattdessen die weitere Entwicklung des Konflikts sowie dessen Auswirkungen auf die Wirtschaftsdaten abwartet. Insbesondere dürfte die EZB beobachten, wie sich der Iran-Krieg auf die Inflationserwartungen der Verbraucher und die Lohnerwartungen der Unternehmen auf mittlere Sicht auswirkt."
"In unserem Basisszenario erwarten wir, dass die EZB die Zinsen bis zum vierten Quartal 2027 unverändert lässt. Diese Prognose basiert jedoch auf der Annahme, dass sich der Konflikt im Nahen Osten so entwickelt, dass der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energieschock die Wirtschaft des Euroraums mittelfristig nur begrenzt belastet."
"Wir gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen im Juni um 25 Basispunkte anheben und im September erneut erhöhen würde, falls der Spotpreis für Brent-Rohöl bis zur Juni-Sitzung der EZB über 95 Dollar je Barrel verharrt."
"Letztlich dürfte der EZB-Rat für eine Zinserhöhung sehen wollen, dass der Schock – wie im Jahr 2022 – zu dauerhaft höherer Inflation führt oder die Inflationserwartungen spürbar anhebt. Um dies beurteilen zu können, wird aus unserer Sicht ausreichend Zeit benötigt. Daher dürfte die Juni-Sitzung die erste Gelegenheit sein, bei der die EZB die Zinsen als Reaktion auf den Iran-Krieg anheben könnte."